Regenschutzkleidung: Der komplette Ratgeber

Aktualisiert am 1. April 2025

Regenschutzkleidung nach EN 343 muss wasserdicht sein und gleichzeitig Schweiß nach außen ablassen. Für berufliche Anwendungen in Österreich empfiehlt Texora mindestens 10.000 mm Wassersäule und Atmungsaktivitätsklasse 3 oder 4. Dieser Ratgeber erklärt Wassersäule, EN 343 und den Unterschied zwischen wasserdicht und wasserabweisend.

Wassersaeule – was bedeuten die mm-Angaben?

Die Wassersaeule ist das Standardmass fuer die Wasserdichtheit von Textilien. Sie gibt an, wie viel Wasserdruck eine Membran oder Beschichtung aushaeelt, bevor Wasser durchdringt. Die Einheit ist Millimeter Wassersaeule (mm WS).

  • 1.500 mm bis 5.000 mm: Wasserabweisend – schuetzt vor leichtem Regen und Spritzwasser, aber nicht vor dauerhaftem Regen
  • 5.000 mm bis 10.000 mm: Wasserdicht – schüetzt vor normalen Regenfaellen und laengerem Kontakt mit Wasser
  • 10.000 mm bis 20.000 mm: Sehr wasserdicht – fuer starken Dauerregen und extremere Wetterbedingungen
  • Ab 20.000 mm: Hochleistungswasserdicht – fuer berufliche Taetigkeiten bei Starkregen, Druckstrahlen oder Aussenarbeiten in Extrembedingungen

Fuer berufliche Anwendungen in Oesterreich empfehlen wir mindestens 10.000 mm Wassersaeule, um auch bei laengerem Starkregen trockenzubleiben.

Was regelt die Norm EN 343?

Die Norm EN 343 definiert die Anforderungen an Kleidung, die vor Regen, Schnee und Nebel schuetzt. Sie bewertet zwei Eigenschaften mit einer Klasse von 1 bis 4:

Wasserdurchgangs-widerstand (X)

Klasse 1 bis 4 – je hoeher, desto wasserdichter. Klasse 4 entspricht dem hoechsten Schutz. Fuer Aussenarbeiten im Regen ist mindestens Klasse 3 zu empfehlen, idealtweise Klasse 4.

Wasserdampfdurchgangs-widerstand (Y)

Klasse 1 bis 4 – je hoeher, desto atmungsaktiver. Klasse 4 bedeutet, dass Koerperschweiss besonders gut nach aussen abgeleitet werden kann. Bei koerperlich anstrengenden Taetigkeiten ist Klasse 3 oder 4 wichtig, um ein "Dampfsaunaeffekt" zu vermeiden.

Ein optimales Produkt fuer anspruchsvolle Aussenarbeiten hat daher die Bezeichnung EN 343:2019 4/4 – hoechste Wasserdichtheit kombiniert mit hoechster Atmungsaktivitaet. Das optionale Suffix "R" im Zertifikat zeigt an, dass das Produkt den Regenturm-Praxistest bestanden hat.

Wasserdicht vs. wasserabweisend

Diese beiden Begriffe werden haeufig verwechselt – sie bezeichnen jedoch grundlegend unterschiedliche Eigenschaften:

  • Wasserabweisend (DWR – Durable Water Repellency): Eine Oberflaechenbeschichtung, die Wassertropfen abperlen laesst. Diese Beschichtung verhindert, dass Wasser in die Faser eindringt und das Gewebe beschwert. Wasserabweisende Impraegnierung allein reicht jedoch nicht aus, um starken Regen ueber laengere Zeit abzuhalten.
  • Wasserdicht (Membrantechnologie): Eine im Gewebe eingearbeitete Membran (z. B. laminierte Folie) verhindert physisch das Eindringen von Wasser. Diese Eigenschaft wird durch die Wassersaeule gemessen und bleibt dauerhafter erhalten als die oberflaechliche Impraegnierung.

Qualitativ hochwertige Regenschutzkleidung verbindet beides: eine wasserdichte Membran als Barriere und eine wasserabweisende Oberflaechenbeschichtung, die das Gewebe trocken und leicht haelt. Die DWR-Beschichtung muss regelmaessig reaktiviert werden (Waermeanwendung nach dem Waschen oder Nachimpraegnierung).

Was bedeutet der Ret-Wert bei Atmungsaktivität?

Atmungsaktivitaet bezeichnet die Faehigkeit eines Textils, Wasserdampf (Schweiss) von innen nach aussen durchzulassen. Das Gegenmass zur Atmungsaktivitaet ist der Ret-Wert (Resistance to Evaporative Transfer – Wasserdampfdurchgangs-widerstand):

  • Ret 0–6: Sehr atmungsaktiv (Klasse 4 nach EN 343) – fuer intensive koerperliche Arbeit
  • Ret 6–13: Atmungsaktiv (Klasse 3) – fuer mittlere Aktivitaet
  • Ret 13–20: Eingeschraenkte Atmungsaktivitaet (Klasse 2) – fuer leichte Taetigkeiten
  • Ret ueber 20: Wenig atmungsaktiv (Klasse 1) – nur fuer statische Taetigkeiten geeignet

Fuer Aussenarbeiter, die sich koerperlich belasten, ist ein niedriger Ret-Wert (hoehere Klasse) besonders wichtig. Schwitzt der Traeger in nicht-atmungsaktiver Regenschutzkleidung, kuehlt er genauso aus wie ohne Regenschutz – die Kleidung selbst wird zur Gefahr.

Welche Regenschutzkleidung passt zu welchem Einsatzbereich?

Die richtige Regenschutzkleidung haengt von Einsatzbereich, Aktivitaetsgrad und Budget ab:

  • Baustelle und Aussenarbeiten bei Starkregen: EN 343 Klasse 4/4, verstaerkte Naehte (getapte Naeht), Kapuze mit Helmkompatibilitaet, verlängerter Ruecken. Kombination mit Warnschutz EN ISO 20471 bei Strassenarbeiten.
  • Leichte Aussenarbeiten, gelegentlicher Regen: EN 343 Klasse 3/3 bis 4/3. Leichter und guenstiger, ausreichend fuer kurze Regenphasen und niedrige Aktivitaet.
  • Landwirtschaft und Forstarbeiten: Robuste Materialien, die bei Kontakt mit Zweigen und Maschinen nicht reissen. Hosen mit Knieverstaerkung bevorzugen.
  • Kommunale Dienste: Kombination aus Regenschutz und Warnschutz in einem Produkt spart Kosten und erhoet den Tragekomfort.

Häufige Fragen

Wie viel Wassersäule braucht berufliche Regenschutzkleidung?

Für berufliche Anwendungen in Österreich empfehlen wir mindestens 10.000 mm Wassersäule, damit die Kleidung auch bei längerem Starkregen trocken hält. Ab 20.000 mm gilt Kleidung als hochleistungswasserdicht für Extrembedingungen.

Was ist der Unterschied zwischen wasserdicht und wasserabweisend?

Wasserabweisend (DWR-Beschichtung) lässt Wassertropfen nur abperlen und schützt vor leichtem Regen. Wasserdicht bedeutet, dass eine eingearbeitete Membran das Eindringen von Wasser physisch verhindert – gemessen in Millimeter Wassersäule nach EN 343.

Was bedeutet die Klassenangabe EN 343:2019 4/4?

Die erste Ziffer (X) bewertet den Wasserdurchgangswiderstand, die zweite (Y) die Atmungsaktivität – jeweils auf einer Skala von 1 bis 4. Klasse 4/4 bedeutet höchste Wasserdichtheit kombiniert mit höchster Atmungsaktivität, ideal für anspruchsvolle Außenarbeiten.

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