Winterschutzkleidung: Der komplette Ratgeber
Aktualisiert am 12. November 2025
Winterschutzkleidung nach EN 342 (unter -5 °C) oder EN 14058 (0 °C bis 10 °C) schützt Außenarbeiter vor Unterkühlung. Die effektivste Lösung ist das Drei-Schichten-Prinzip: Basisschicht gegen Feuchtigkeit, Mittelschicht für Wärme, Außenschicht gegen Wind und Nässe. Dieser Ratgeber erklärt Normen, Isolationswerte und Branchenempfehlungen.
Welche Normen gelten für Winterschutzkleidung?
Winterschutzkleidung fuer den beruflichen Einsatz muss in Oesterreich und der gesamten EU bestimmte Pruefanforderungen erfuellen. Zwei Normen sind dabei besonders relevant:
EN 342 – Kaelteschutzkleidung fuer Temperaturen unter -5 °C
Diese Norm gilt fuer den Schutz bei extremen Minustemperaturen, wie sie etwa in Kuehlhaeusern oder bei Winterbaustellen auftreten. Sie bewertet den Waermewiderstand (Rct), die Wasserdampfdurchgangswiderstand und die Luftdurchlaessigkeit. Wichtig: EN 342 zertifiziert haeufig Ensembles (Jacke + Hose zusammen), da erst die Kombination den vollstaendigen Schutz bietet.
EN 14058 – Kleidung fuer kuehlere Umgebungen (0 °C bis 10 °C)
Diese Norm ist fuer viele oesterreichische Herbst- und Winterarbeiten die relevantertere Norm. Sie gilt fuer Taetigkeiten, bei denen die Umgebungstemperatur zwischen 0 °C und 10 °C liegt – also fuer den Grossteil der Aussenarbeiten in Oesterreich. Bewertet werden Waermewiderstand, Windschutz und Wasserdurchlaessigkeit.
Wie funktioniert das Drei-Schichten-Prinzip?
Professionelle Winterschutzkleidung basiert auf dem bewaehrer Schichtsystem. Jede Schicht hat eine spezifische Funktion, und das System funktioniert nur, wenn alle Schichten aufeinander abgestimmt sind:
- Basisschicht (Base Layer): Liegt direkt auf der Haut und muss Feuchtigkeit (Schweiss) aktiv vom Koerper wegleiten. Materialien: Funktionsmikrofaser, Merinowolle. Baumwolle ist ungeeignet – sie speichert Feuchte und kuehlt den Koerper aus.
- Mittelschicht (Mid Layer): Speichert die Koerperwaerme durch Isolationsmaterial: Fleece, leichte Wattierung oder Softshell-Midlayer. Diese Schicht wird je nach Aktivitaet an- und ausgezogen.
- Aussenschicht (Outer Layer): Schuetzt vor Wind, Regen und Schnee. Muss nach EN 343 (Regen/Wind) und gegebenenfalls EN 342 oder EN 14058 zertifiziert sein. Membranmaterialien wie laminierte Polyesterfasern bieten den besten Kompromiss aus Schutz und Atmungsaktivitaet.
Zu enge Aussenschichten druecken die Isolierung der Mittelschicht zusammen und vermindern den Waermeschutz erheblich. Immer auf ausreichend Spielraum fuer alle Schichten achten.
Wie liest man Isolationswerte (Icler) richtig?
Der Isolationswert Icler (angegeben in m² K/W) zeigt, wie effektiv Kleidung vor Waermeverlust schuetzt. Als Faustregel gilt:
- Leichte Aktivitaet bei -10 °C: Icler ≥ 0,310 m² K/W
- Mittlere Aktivitaet bei -5 °C: Icler ≥ 0,155 m² K/W
- Intensive Aktivitaet bei -5 °C: Icler ≥ 0,100 m² K/W
Wichtig: Intensive koerperliche Arbeit erzeugt koerpereigene Waerme. Zu viel Isolierung fuehrt zu starkem Schweissen, was in Pausenphasen das Auskühlungsrisiko erhoht. Die Kleidung muss daher immer zum tatsaechlichen Taetigkeitsprofil passen und anpassbar sein.
Fuer Taetigkeiten mit stark wechselnder Aktivitaet (z. B. Maurer, die abwechselnd tragen und mauern) empfehlen sich lueftbare Aussenschichten oder das gezielte An- und Ausziehen der Mittelschicht.
Welche Winterschutzkleidung passt zu welcher Branche?
Die Anforderungen an Winterschutzkleidung unterscheiden sich je nach Branche erheblich:
- Bauwirtschaft: Robuste Aussenschicht nach EN 343 Klasse 4, verstaerkte Knie und Ellbogen, viele Taschen. Bei Strassenarbeiten kombiniert mit Warnschutz nach EN ISO 20471.
- Logistik und Lager: Flexibles Schichtsystem fuer den Wechsel zwischen kalten Lagerbereichen und beheizten Bueros. Leichte Midlayer-Jacken mit schnellem An- und Ausziehen bevorzugen.
- Landwirtschaft: Widerstandsfaehige Materialien, die mit Schmierstoffen und Verschmutzungen umgehen koennen. Hose mit Knieschutzfaechern, langlebige Impraegnierung.
- Kommunale Dienste: Warnschutz nach EN ISO 20471 kombiniert mit Winterschutz. Reflektierende Streifen muessen auch nach dem Waschen die Normwerte erreichen.
- Forstarbeiten: Schnittschutz nach EN ISO 11393 hat Vorrang. Winterschutz als Schicht darunter planen, Schnittschutz immer aussen tragen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen EN 342 und EN 14058?
EN 342 gilt für extreme Kälte unter -5 °C, meist für Kühlhäuser oder Winterbaustellen, und zertifiziert oft ganze Ensembles. EN 14058 gilt für den häufigeren Temperaturbereich 0 °C bis 10 °C und deckt damit den Großteil der österreichischen Außenarbeit im Herbst und Winter ab.
Ist Baumwolle als Basisschicht geeignet?
Nein. Baumwolle speichert Schweiß statt ihn abzuleiten und kühlt den Körper dadurch zusätzlich aus. Als Basisschicht eignen sich Funktionsmikrofaser oder Merinowolle, die Feuchtigkeit aktiv vom Körper wegtransportieren.
Wie viel Isolierung braucht Winterschutzkleidung bei -10 °C?
Für leichte Aktivität bei -10 °C wird ein Isolationswert (Icler) von mindestens 0,310 m² K/W empfohlen. Bei intensiver körperlicher Arbeit reicht ein niedrigerer Wert von etwa 0,100 m² K/W, da der Körper selbst mehr Wärme erzeugt.
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