Was bedeutet Multinorm?
Als Multinorm-Schutzkleidung bezeichnet man Kleidungsstücke, die gleichzeitig mehrere Schutznormen erfüllen. Statt mehrerer übereinander getragener Spezialbekleidungen kombiniert ein einziges Kleidungsstück verschiedene Schutzfunktionen – das erhöht den Tragekomfort, verbessert die Bewegungsfreiheit und vereinfacht die Beschaffung.
Ein klassisches Beispiel ist eine Jacke, die zugleich schwerentflammbar (nach EN ISO 11612), warnschutztauglich (nach EN ISO 20471) und antistatisch (nach EN 1149-5) ist. Solche Kombinationsprodukte sind in der Energiewirtschaft, der chemischen Industrie und im kommunalen Bereich weit verbreitet.
Relevante Normen im Überblick
Multinorm-Produkte können je nach Anforderungsprofil unterschiedliche Normen kombinieren:
Flammschutz und Hitzeschutz
- EN ISO 11612: Schutz vor Hitze und Flammen (Schweißen, Hochtemperaturarbeiten)
- EN ISO 11611: Schutz beim Schweißen und verwandten Verfahren
- EN 61482-2 (IEC 61482-2): Schutz vor den thermischen Gefahren eines Lichtbogens
Warnschutz
- EN ISO 20471: Hochsichtbarkeit für Straßen- und Bahnbauarbeiten
Antistatik und Schutz vor Chemikalien
- EN 1149-5: Elektrostatische Eigenschaften (verhindert Funkenbildung bei brennbaren Stoffen)
- EN 13034: Schutz vor flüssigen Chemikalien (Sprühschutz)
Branchen und Einsatzbereiche
Multinorm-Schutzkleidung ist vor allem in Branchen verbreitet, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehreren Gefährdungen gleichzeitig ausgesetzt sind:
- Energiewirtschaft und Netzbetreiber: Lichtbogenschutz + Antistatik. Für Hochspannungsarbeiten ist EN 61482-2 in Kombination mit EN 1149-5 häufig vorgeschrieben.
- Öl- und Gaswirtschaft: Flammschutz + Antistatik + Chemikalienschutz. Die Kombination aus EN ISO 11612 und EN 1149-5 ist hier Standard.
- Metallverarbeitung und Stahlbau: Flammschutz + Schweißerschutz. EN ISO 11611 und EN ISO 11612 Klasse A1/A2 sind üblich.
- Straßen- und Gleisbau: Warnschutz + Flammschutz, wenn Heißasphalt oder Schneidbrenner eingesetzt werden.
- Chemische Industrie: Chemikalienschutz + Antistatik, teils auch Flammschutz.
CE-Kategorien und Pflicht zur PSA
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) wird in der EU in drei Kategorien eingeteilt:
- Kategorie I: Einfache Risiken (z. B. Handschuhe gegen Hitze beim Kochen). Herstellererklärung ausreichend.
- Kategorie II: Mittlere Risiken (z. B. Warnschutzkleidung, allgemeine Schutzjacken). Baumusterprüfung durch notifizierte Stelle erforderlich.
- Kategorie III: Schwere und tödliche Risiken (z. B. Lichtbogenschutz, chemischer Vollschutz). Höchste Anforderungen an Prüfung und Überwachung.
Multinorm-Kleidung ist oft der Kategorie III zugeordnet, wenn sie vor lebensbedrohlichen Gefährdungen schützt. Arbeitgeber sind dann verpflichtet, eine Unterweisung durchzuführen und den regelmäßigen Austausch defekter oder verschlissener Kleidung sicherzustellen.
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